Umsatzsteuer / Vorsteuerabzug

02.02.2012

Wie viel Umsatzsteuer zahlen Cateringunternehmen und Party-Service


Verkaufen Sie fertig zubereitete Speisen/Fastfood, stellt sich die Frage, ob Sie eine 7%ige Lieferung oder 19%ige Dienstleistung ausführen. Worauf es ankommt, macht der BFH in seinem neuesten Urteil vom 23.11.2011 (XI R 6/08) nochmals deutlich.

Die Leistungen eines Party-Services bzw. Cateringunternehmens sind in der Regel als sonstige Leistungen einzustufen. Die Umsatzsteuer beträgt 19%, weil das Dienstleistungselement im Vordergrund steht. Von einer Lieferung mit einem Steuersatz von 7% kann nur ausgegangen werden, wenn fertig zubereitete Standardspeisen abgegeben werden, ohne dass weitere Dienstleistungen hinzutreten. Der BFH unterscheidet somit zwischen Speisen, die

  • nicht auf Bestellung eines bestimmten Kunden, sondern entsprechend der allgemein vorhersehbaren Nachfrage vorgehalten und abgegeben werden, z. B. an Imbissständen, und
  • individuell zubereiteten Speisen, wie z. B. Vitello tonnato, Hähnchenschnitzel, gefüllte Tomaten mit Frischkäse, Geflügelsalat mit Rigatoni; die Zubereitung dieser Speisen erfordert einen deutlich größeren Dienstleistungseinsatz, zumal die Kunden sich regelmäßig ihr Menü selbst zusammenstellen bzw. sich die Speisen nach ihren eigenen Wünschen zubereiten lassen. 

Sie müssen also zuerst auf die Art und Weise der zubereiteten Speisen abzustellen. Kommen Sie hier zu dem Ergebnis, dass der Steuersatz von 19% anzuwenden ist, unterliegen auch die Nebenleistungen dem Steuersatz von 19% (Nebenleistungen teilen das Schicksal der Hauptleistung). 

Grundlegende Unterscheidung

             7%

             19%

Verkauf fertig zubereiteter Standardspeisen, die entsprechend der allgemein vorhersehbaren Nachfrage vorgehalten und abgegeben werden, wie z. B.

  • Verkauf von Bratwurst, Pommes-Frites, Reibekuchen usw. aus Imbisswagen und Imbissständen
  • Verkauf von Popcorn, Tortilla-Chips usw. in Kino-Foyers

 

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Verkauf von individuell zubereiteten Speisen nach Wunsch des Kunden

 

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Haben Sie Speisen geliefert, die dem Steuersatz von 7% unterliegen, können daraus – abhängig von den Leistungen, die Sie zusätzlich erbringen – 19%ige Umsätze werden. Die nachfolgende Zusammenstellung gibt Ihnen einen Überblick darüber, bei welchen Zusatzleistungen es bei 7% bleibt und wann aus der 7%igen Lieferung eine 19%ige sonstige Leistung wird.

Leistungsbeschreibung

             7%

             19%

Bereitstellung behelfsmäßiger Vorrichtungen im Freien, wie z. B. einfache Verzehrtheken, Stehtische, Ablagebretter usw.

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Bereitstellen von Papierservietten

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Abgabe von Senf, Ketchup, Mayonnaise, Apfelmus usw.  

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Gestellung von Bedienungs- und Kochpersonal

 

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Servieren der Speisen

 

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Bereitstellung von Abfalleimern

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Praxis-Tipp
Unternehmer, die fertig zubereitete Standardspeisen verkaufen, sollten anhand der vorstehenden Kriterien prüfen, ob Sie in den zurückliegenden Jahren 19% statt 7% Umsatzsteuer gezahlt haben. Die Festsetzung der Umsatzsteuer steht in der Regel unter dem Vorbehalt der Nachprüfung, sodass innerhalb der Verjährungsfrist eine Änderung der Umsatzsteuerfestsetzung beantragt werden kann.


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