Umsatzsteuer / Vorsteuerabzug

15.12.2011

Rechtzeitige Zuordnung zum umsatzsteuerlichen Unternehmen rettet den Vorsteuerabzug


Wenn Sie einen Gegenstand anschaffen, müssen Sie von vornherein klar und deutlich zum Ausdruck bringen, ob und in welchem Umfang Sie diesen Ihrem umsatzsteuerlichen Unternehmen zuordnen wollen. Dabei müssen Sie Folgendes beachten:

  • Sie haben kein Wahlrecht bei Gegenständen, die Sie ausschließlich für unternehmerische oder nichtunternehmerische Zwecke nutzen.
  • Schaffen Sie einen Gegenstand an, den Sie teilweise unternehmerisch und teilweise nichtunternehmerisch (z. B. zu eigenen Wohnzwecken) nutzen, dürfen Sie diesen Gegenstand insgesamt Ihrem Unternehmen zuordnen, wenn Sie ihn zumindest zu 10 % für unternehmerische Zwecke nutzen (§ 15 Abs. 1 Satz 2 UStG).

Bei der Anschaffung oder Herstellung eines Gegenstands entscheiden Sie, ob Sie ihn Ihrem umsatzsteuerlichen Unternehmen zuordnen. Sie müssen Ihre Zuordnung erkennbar und zeitnah treffen, z. B. indem Sie die Vorsteuer geltend machen. Das gilt insbesondere bei Gebäuden. Hier müssen Sie spätestens bis zur Abgabe der Umsatzsteuer-Jahreserklärung (= bis zum 31.5. des Folgejahres) dem Finanzamt gegenüber erklären, in welchem Umfang Sie das Gebäude Ihrem umsatzsteuerlichen Unternehmen zugeordnet haben (BFH-Urteil vom 7.7.2011, V R 21/10, veröffentlicht am 7.12.2011). 

Die Behandlung bei der Einkommensteuer ist für die umsatzsteuerrechtliche Zuordnung nicht maßgebend. Ist (zunächst) kein Vorsteuerabzug möglich, fehlt es an einem eindeutigen Zuordnungskriterium. Ohne Beweisanzeichen oder ohne Ihre Erklärung lehnt das Finanzamt die Zuordnung des Gegenstands zum umsatzsteuerlichen Unternehmen ab.

Praxis-Beispiel:
Im Jahr 2011 bauen Sie ein Einfamilienhaus (Bauantrag nach dem 31.12.2010) und nutzen 15% für Ihre betrieblichen Zwecke. Seit 2011 dürfen Sie die Vorsteuer nur in Höhe von 15% geltend machen. Das sogenannte Seeling-Modell, wonach Sie das gesamte Haus mit Vorsteuerabzug Ihrem umsatzsteuerlichen Unternehmen zuordnen konnten, ist seit dem 1.1.2011 abgeschafft worden.

Praxis-Tipp
Eine Immobilie, die Sie für betriebliche Zwecke und für eigene Wohnzwecke nutzen, sollten Sie immer insgesamt Ihrem umsatzsteuerlichen Unternehmen zuordnen, auch wenn Sie die Vorsteuer nur für den betrieblich genutzten Anteil beanspruchen können. Die umsatzsteuerliche Zuordnung bringt Ihnen keine Nachteile. Sie können aber, wenn Sie später weitere oder andere Flächen Ihres Einfamilienhauses betrieblich nutzen, bisher nicht abziehbare Vorsteuer nachträglich geltend machen.

Wichtig! Ihre Erklärung zur umsatzsteuerlichen Zuordnung muss dem Finanzamt bis zum 31.5. des Folgejahres vorliegen.


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