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25.01.2019 Von: W. Krudewig

Wann ist ein Darlehen abzuzinsen?


Steuerrechtlich sind Verbindlichkeiten gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 EStG mit 5,5% abzuzinsen. Die Abzinsung unterbleibt, wenn

  • die Laufzeit am Bilanzstichtag weniger als 12 Monate beträgt,
  • die Verbindlichkeit verzinst wird oder
  • wenn es sich um eine Anzahlung handelt.

Die Abzinsung kann bereits mit einer minimalen Verzinsung vermieden werden. Eine Zinsvereinbarung reicht bereits aus, sodass eine Zahlung der Zinsen nicht erforderlich ist. Nach der Rechtsprechung des BFH muss die Verzinsungsabrede nicht von Anfang an bestehen, sie kann im Nachhinein vereinbart werden. 

Praxis-Beispiel:
Eine UG-haftungsbeschränkt erhielt von ihrem Alleingesellschafter ein Darlehen von 750.000 €. Das Darlehen hatte keine feste Laufzeit, konnte aber mit einer Frist von 30 Tagen gekündigt werden. Die UG erwarb Aktien, die innerhalb eines Jahres weiterveräußert werden sollten. Es war eine Verzinsung von 3% für den Fall vorgesehen, dass aus der Aktienbeteiligung Dividenden gezahlt werden. Eine Mindestverzinsung war also zunächst nicht vorgesehen. 

Es wurde allerdings einen Monat vor dem Bilanzstichtag eine Mindestverzinsung vereinbart, die ab dem 1.1. des Folgejahres beginnen sollte. Im Jahresabschluss wies die UG das Darlehen daher mit dem Nennbetrag von 750.000 € aus. Das Finanzamt nahm jedoch eine Abzinsung basierend auf einer Laufzeit von 12 Jahren vor, weil das Darlehen am Bilanzstichtag unverzinslich gewesen sei. Dadurch ergab sich eine Gewinnerhöhung von 373.000 €. 

Der BFH widersprach dem Finanzamt und entschied, dass es sich um ein verzinsliches Darlehen handelt, das eine Abzinsung ausschließt (Urteil vom 18.9.2018, XI R 30/16). Sobald das Darlehen mit einer Zinsvereinbarung verbunden ist, ist es verzinslich, auch wenn die Zinsen nicht gezahlt werden. In diesem Zusammenhang spielt es keine Rolle, ob die Verzinsung bei Abschluss des Darlehensvertrags oder erst später vereinbart wurde. Da eine Mindestverzinsung vor dem Bilanzstichtag vereinbart war, handelt es sich zweifelsfrei um ein verzinsliches Darlehen.

Praxis-Tipp
Um lästige Diskussionen mit dem Finanzamt zu vermeiden, ist es sinnvoll, wenn von Anfang an eine feste Verzinsung vereinbart wird, auch wenn sie nur minimal ist.


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