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28.02.2019 Von: W. Krudewig

Fahrtätigkeit oder Fahrten zur ersten Tätigkeitstätte?


Bei einem Arbeitnehmer, der in einem weiträumigen Gebiet unterwegs ist, kann sich die Frage stellen, ob er eine Fahrtätigkeit ausübt, die nach Reisekostengrundsätzen abzurechnen ist, oder ob es sich um Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte handelt, die nur mit der Entfernungspauschale abgerechnet werden.

Praxis-Beispiel:
Der Steuerpflichtige ist angestellter Lokführer und machte im Rahmen der Ermittlung seiner Einkünfte Kosten für Verpflegungsmehraufwendungen als Werbungskosten geltend. Er berechnete diese aus 193 Tagen mit mehr als 8 Stunden zu 12 €. Das Finanzamt berücksichtigte die geltend gemachten Verpflegungsmehraufwendungen nicht und führte aus, dass es sich bei den arbeitstäglichen Fahrten um Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte handelt. Diese Fahrten sind nur mit der Entfernungspauschale (einfache Entfernung) abziehbar. Eine Auswärtstätigkeit liege nicht vor, sodass Verpflegungsmehraufwendungen nicht berücksichtigt werden können. 

Das Finanzgericht Köln entschied, dass das betriebseigene Schienennetz, das ein Lokomotivführer mit der firmeneigenen Werksbahn befährt, eine - wenn auch großräumige – Arbeitsstätte ist, die die Voraussetzungen einer ersten Tätigkeitsstätte erfüllt (Urteil vom 11.7.2018, 4 K 2812/17). Dass sich das firmeneigene Schienennetz über mehrere Stadtteile erstreckt, steht der Annahme einer ersten Tätigkeitsstätte nicht entgegen. Der Einsatz eines Arbeitnehmers auf einem Fahrzeug auf dem Betriebsgelände ist somit keine Fahrtätigkeit (Auswärtstätigkeit). 

Diese Entscheidung entspricht der Rechtsprechung des BFH, wonach ein größeres, räumlich geschlossenes Gebiet als „regelmäßige Arbeitsstätte“ in Betracht kommt, wenn es sich um ein zusammenhängendes Gelände des Arbeitgebers handelt, auf dem der Arbeitnehmer auf Dauer und mit einer gewissen Nachhaltigkeit tätig wird. So ist der Heimatflughafen als „regelmäßige Arbeitsstätte“ einer Flugbegleiterin zu betrachten. Das gilt dann entsprechend auch für ein Werksgelände, ein Waldgebiet, ein Bergwerk oder ein Lotsenrevier. Somit ist das Einsatzgebiet des Steuerpflichtigen seine „erste Tätigkeitsstätte“. 

Praxis-Tipp
Gegen das Urteil des Finanzgerichts Köln wurde Revision eingelegt (Az. beim BFH: VI R 36/18). Jeder, der mit einem Fahrzeug auf dem weitläufigen Betriebsgelände unterwegs ist, sollte die Regelungen zur Fahrtätigkeit (Auswärtstätigkeit) anwenden. Lehnt das Finanzamt den Abzug der Reisekosten ab, sollte dagegen Einspruch eingelegt und beantragt werden, das Verfahren bis zur Entscheidung durch den BFH ruhen zu lassen.


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