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18.10.2018 Von: W. Krudewig

0,03%-Regelung oder Fahrtenbuch bei Fahrten zur ersten Betriebsstätte


Überlässt der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer einen Firmenwagen, versteuert er den geldwerten Vorteil für Privatfahrten regelmäßig nach der 1%-Methode. Als Ausgleich für die nicht abziehbaren Kosten bei Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte erfasst er bei seinem Arbeitnehmer als Arbeitslohn entweder

  • pauschal 0,03% vom Bruttolistenpreis des Fahrzeugs je Entfernungskilometer pro Monat (die 0,03%-Reglung geht von 15 Fahrten pro Monat aus) oder
  • pauschal 0,002% vom Bruttolistenpreis des Fahrzeugs je Entfernungskilometer für jede Fahrt zum Betrieb (maximal 1 x pro Tag).

Wenn aber der Unternehmer oder Freiberufler die Privatfahrten mit seinem Firmen-PKW pauschal mithilfe der 1%-Regelung ermittelt, muss er die nicht abziehbaren Kosten für Fahrten zwischen Wohnung und erster Betriebsstätte ebenfalls pauschal ermitteln. Der Betrag wird pauschal mit 0,03% des inländischen Bruttolistenpreises je Kalendermonat berechnet. Anders als bei Arbeitnehmern lässt der BFH die pauschale Ermittlung mit 0,002% vom Bruttolistenpreis des Fahrzeugs je Entfernungskilometer für jede Fahrt zur ersten Betriebsstätte (maximal 1 x pro Tag) nicht zu (Urteil vom 12.6.2018, VIII R 14/15).

Praxis-Beispiel:
Eine Steuerberaterin war u.a. als freie Mitarbeiterin in den Kanzleiräumen eines Kollegen tätig. Sie unternahm im Jahr 85 Fahrten zwischen ihrer Wohnung und der Kanzlei des Kollegen. Die einfache Entfernung bis dorthin betrug 30 km. In ihrer Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermittelte sie den Entnahmewert für private Fahrten nach der 1%-Methode und erfasste diesen Betrag als Betriebseinnahme.

Die abzugsfähigen Betriebsausgaben für die Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte ermittelte die Steuerberaterin nicht mit dem gesetzlichen Faktor von 0,03% des Listenpreises von 36.000 € und der einfachen Wegstrecke zur ersten Betriebsstätte. Stattdessen setzte sie den Betrag mit dem Faktor 0,002% vom Bruttolistenpreis des Fahrzeugs von 36.000 € an, den sie mit der Zahl der gefahrenen Tage und den Entfernungskilometern multiplizierte. Dieser Betrag ist nach Abzug der Entfernungspauschale in Höhe von (85 Tage x 30 km x 0, 30 € =) als Betriebseinnahme zu erfassen.

Der Unterschied den beiden Berechnungsmethoden sieht wie folgt aus:

0,03% x 36.000 € = 10,80 € x 30 km x 12 Monate =    3.888 € - 765 € =  3.123 €

0,002% x 36.000 € = 0,72 € x 30 km x 85 Tage =        1.836 € - 765 € =  1.071 €

Nachteil bei der Erfassung der Betriebseinnahmen                             2.052 €

Der BFH hat die Anwendung der 0,002% Regelung für Unternehmer und Freiberufler für unzulässig erklärt. Laut BFH ist die Gleichbehandlung eines Einnahmen-Überschuss-Rechners (Gewinnermittlers) und eines Arbeitnehmers, der an weniger als 15 Tagen des Monats die feste Arbeits- oder Betriebsstätte aufsucht, insoweit nicht erforderlich. Der Unternehmer hat die Möglichkeit, den Entnahmewert für die private Nutzung des Kfz nach der Fahrtenbuchmethode zu ermitteln. Dann treten an die Stelle des 0,03%-Werts die tatsächlichen Aufwendungen, die auf Fahrten zwischen Wohnung und erster Betriebsstätte entfallen. Der BFH führt aus, dass es sich bei den Regelungen für Arbeitnehmer und Unternehmer im Kern um vergleichbare Werbungskosten- und Betriebsausgabenabzugsverbote handelt. Die Situation für den Unternehmer ist jedoch insofern anders, als er den Ansatz unzutreffender Werte durch das Führen eines Fahrtenbuchs vermeiden kann.

Praxis-Tipp
Unternehmer und Freiberufler können den Nachteil den pauschalen Betriebsausgabenkürzung in Höhe von 0,03% des Listenpreises pro Monat und Entfernungskilometer nur vermeiden, indem sie ein Fahrtenbuch führen. Der BFH hält das Führen eines Fahrtenbuchs weder für unverhältnismäßig noch für unzumutbar, weil Unternehmer bzw. Freiberufler ohnehin umfangreiche Aufzeichnungs- und Aufbewahrungspflichten erfüllen müssen.