Haushaltsnahe Dienstleistungen / Kinderbetreuung

02.12.2015 Von: W. Krudewig

Haushaltsnahe Dienstleistungen: Betreuung von Haustieren ist begünstigt


Wenn Sie haushaltsnahe Dienstleistungen in Anspruch nehmen, erhalten Sie gemäß § 35a EStG eine Steuerermäßigung von 20 %, höchstens 4.000 € im Jahr als Abzug von der Steuerschuld. Sie können die Steuerermäßigung nur in Anspruch nehmen, wenn die Leistungen in Ihrem Haushalt erbracht werden. Es ist allerdings gesetzlich nicht geregelt, welche Dienstleistungen als haushaltsnahe Dienstleistungen einzustufen sind.

Die Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen ist zu gewähren, wenn es sich um eine Leistung handelt, die eine gewisse Nähe zur Haushaltsführung aufweist oder damit im Zusammenhang steht. Davon ist insbesondere dann auszugehen, wenn es sich um hauswirtschaftliche Tätigkeiten handelt, die gewöhnlich durch Mitglieder des privaten Haushalts erledigt werden und in regelmäßigen Abständen anfallen. Deshalb ist auch die Versorgung und Betreuung eines Haustiers, das zum Haushalt gehört, als haushaltsnahe Dienstleistungen begünstigt (BFH-Urteil vom 3.9.2015, VI R 13/15). Das Füttern, die Fellpflege, das Ausführen und die sonstige Beschäftigung des Tieres oder im Zusammenhang mit dem Tier erforderliche Reinigungsarbeiten fallen regelmäßig an und werden typischerweise durch Haushaltsangehörige erledigt.

Praxis-Beispiel:
Eine alleinstehende Person beauftragte mehrmals einen Betreuungsservice, ihren Hund bei ihr zuhause zu betreuen. Für diese Dienstleistung und für die Fahrtkosten stellte ihr der Betreuungsservice 500 € in Rechnung. Das Finanzamt lehnte es ab, diese Aufwendungen als haushaltnahe Dienstleistung anzuerkennen.

Haustiere, die in der Wohnung des Halters leben, sind dem Haushalt des Tierhalters zuzurechnen. Ihre dortige Versorgung weist demgemäß einen engen Bezug zur Hauswirtschaft des Halters auf und ist deshalb als haushaltsnahe Dienstleistung zu berücksichtigen. Daher hat der BFH entschieden, dass die Versorgung und Betreuung der im Haushalt lebenden Tiere haushaltsnah sind.

Der Begriff des Haushalts ist lt. BFH funktional auszulegen. Es reicht aus, wenn die Tätigkeit in unmittelbarem räumlichem Zusammenhang zum Haushalt durchgeführt wird und dem Haushalt dient. Da Haustiere als Bestandteil des Haushalts gelten, ist der räumliche Zusammenhang auch dann erfüllt, wenn der Hundebetreuer „Gassi“ geht.

Praxis-Tipp:
Durch das o.a. BFH-Urteil ist die Verwaltungsanweisung des BMF vom 10.1.2014 (IV C 4-S 2296-b/07/0003:004) überholt, soweit darin bestimmt ist, dass für Tierbetreuungskosten keine Steuerermäßigung zu gewähren sei. Wenn das Finanzamt Ihre Aufwendungen für die Betreuung von Haustieren nicht anerkennt, sollten Sie umgehend Einspruch einlegen und auf das neue BFH-Urteil verweisen.

 

 


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