Fahrzeuge / PKW

11.06.2015 Von: W. Krudewig

PKW: Unangemessene Anschaffungskosten sollten Sie unbedingt vermeiden


In den meisten Fällen sind die Anschaffungskosten für ein serienmäßig ausgestattetes Fahrzeug angemessen, auch wenn es zur oberen Preisklasse gehört. Bei hohen Preisen sind die Anschaffungskosten angemessen, wenn Ihr Unternehmen einen hohen Umsatz und Gewinn erzielt und gleichzeitig die Nutzung eines repräsentativen PKW von Geschäftspartnern bzw. Kunden erwartet wird. Das gilt aber nicht uneingeschränkt. Bei hohen Anschaffungskosten, die in keinem angemessenen Verhältnis zum Betriebsergebnis stehen oder bei Sonderfahrzeugen, z. B. bei einem Wohnmobil, kann der Abzug der Abschreibungen teilweise unangemessen sein. Das heißt, dass ein Teil der Abschreibung nicht abziehbar ist, obwohl zur Ermittlung des Buchwerts die Abschreibung insgesamt abgezogen wird. Bei einer Veräußerung ist dann der Buchwert maßgebend (BFH-Urteil vom 25.03.2015, X R 14/12).

Praxis-Beispiel:
Der Kläger, zuständig für den Vertrieb von Fertighäusern, erwarb ein Wohnmobil für rd. 86.000 €, das er als mobiles Verkaufsbüro nutzte. Im Zusammenhang mit einer Betriebsprüfung hatte sich der Kläger mit dem Finanzamt dahingehend verständigt, dass 40 % der Aufwendungen für das Wohnmobil nicht abzugsfähig sind. Der Kläger veräußert das Wohnmobil nach Ablauf von 6 Jahren für 45.700 € netto. Bei der Veräußerung versteuerte das Finanzamt die Differenz zwischen Veräußerungserlös und Buchgewinn in voller Höhe.

 

Gesamtbetrag

angemessener Teil (60%)

unangemessener Teil (40 %)

Anschaffungskosten

86.000 €

51.600 €

34.400 €

Nutzungsdauer 8 Jahre = 12,5% pro Jahr

Abschreibung für 6 Jahre
10.750 € x 6 =

 

 

64.500 €

 

 

38.700 €

 

 

25.800 €

Buchwert im Zeitpunkt der Veräußerung

 

21.500 €

 

12.900 €

 

8.600 €

Veräußerungspreis (netto)

45.700 €

27.420 €

18.280 €

Veräußerungsgewinn

24.200 €

14.520 €

9.680 €

Der Kläger muss den vollen Veräußerungsgewinn von 24.200 € versteuern und nicht nur den Teil, der auf die angemessenen Anschaffungskosten (14.520 €) entfällt.

Konsequenz: Erkennt das Finanzamt nur einen Teil der Aufwendungen als angemessen an, hat das erhebliche finanzielle Nachteile:

  • Es kann nur die Abschreibung als Betriebsausgaben abgezogen werden, die auf den angemessenen Teil der Anschaffungskosten entfällt.
  • Bei der Ermittlung der Privatnutzung muss bei Anwendung der 1%-Methode der volle Bruttolistenpreis angesetzt werden (also nicht nur der angemessene Anteil).
  • Das Fahrzeug gehört insgesamt zum Betriebsvermögen, was zur Folge hat, dass auch der Veräußerungsgewinn, der auf den unangemessenen Teil entfällt, den steuerpflichtigen Gewinn erhöht.

Praxis-Tipp
Unter steuerlichen Gesichtspunkten lohnt es sich nicht, Fahrzeuge anzuschaffen, bei denen das Finanzamt einen Teil der Anschaffungskosten als unangemessen einstuft. Das gilt nicht nur bei der Einkommensteuer, sondern auch beim Vorsteuerabzug und der Umsatzsteuer für die private Nutzung. In diesem Zusammenhang kann es sinnvoll sein, sich vor der Anschaffung eine verbindliche Auskunft beim Finanzamt einzuholen.

 

 


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