Fahrzeuge / PKW

23.06.2016 Von: W. Krudewig

Keine 1%-Reglung bei einem für den Lastentransport hergerichteten Transporter


Ohne ordnungsgemäßes Fahrtenbuch ist die private Nutzung eines Firmenwagens, der zu mehr als 50 % betrieblich genutzt wird, für jeden Kalendermonat mit 1 % des inländischen Bruttolistenpreises im Zeitpunkt der Erstzulassung zuzüglich Sonderausstattung anzusetzen. Die 1%-Methode ist allerdings nicht anzuwenden, wenn feststeht, dass das Fahrzeug typischerweise nicht, nur vereinzelt und gelegentlich für private Zwecke genutzt wird. Das betrifft insbesondere LKW und Zugmaschinen.

Dabei kommt es nicht auf die Klassifizierung des Kfz-Steuerrechts und des Straßenverkehrsrechts an. Maßgebend ist vielmehr, ob das betreffende Fahrzeug aufgrund seiner Beschaffenheit und Einrichtung typischerweise so gut wie ausschließlich zur Beförderung von Gütern bestimmt ist. Ist das der Fall, werden derartige Fahrzeuge allenfalls nur gelegentlich und ausnahmsweise auch für private Zwecke eingesetzt.

Praxis-Beispiel:
Ein Unternehmer hat einen VW-Transporter (Zweisitzer) im Betriebsvermögen, der nicht deshalb als Zweisitzer gestaltet ist, weil er Sportwagencharakter hätte, sondern deshalb, weil er für den Lastentransport hergerichtet war. Wegen der fast ausschließlichen betrieblichen Nutzung, setzte der Unternehmer keinen Betrag für die private Nutzung an.

Das Finanzamt ging davon aus, dass sich auch ein zweisitziges Fahrzeug grundsätzlich für private Besorgungen einsetzen lässt. Es setzte daher für dieses Fahrzeug die Privatnutzung nach der 1%-Regelung an. Der BFH lehnte die Auffassung des Finanzamts ab, weil dann jeder beliebig große LKW als Fahrzeug angesehen werden könnte, das im Prinzip auch privat einsetzbar wäre. Eine Einschränkung, wie sie das Finanzamt vorgenommen hatte, ist daher nicht zu akzeptieren.

Die Schlussfolgerung, dass bei einer Existenz von nur zwei Sitzen typischerweise davon ausgegangen werden kann, dass keine private Nutzung vorliegt, ist kein Verstoß gegen Denkgesetze. Der BFH fordert nicht, dass nach Beschaffenheit und Einrichtung des Fahrzeugs die private Nutzung denklogisch völlig ausgeschlossen sein muss.

Praxis-Tipp
Ein Transporter mit lediglich zwei Sitzplätzen, bei dem die Ladefläche ohne Fenster abgetrennt wird, ist typischerweise nicht zum privaten Gebrauch geeignet. Wenn Sie also vermeiden wollen, dass eine Privatnutzung nach der 1%-Methode angesetzt wird, müssen Sie darauf achten, dass der Transporter entsprechend ausgestattet ist und tatsächliche entsprechend verwendet wird.


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