Ausbildung / Fortbildung

07.01.2016 Von: W. Krudewig

Fortbildungskosten: So können Sie Ihre Aufwendungen rückwirkend geltend machen


Fortbildungskosten können Sie uneingeschränkt als Betriebsausgaben oder Werbungskosten geltend machen. Haben Sie Ihre Zweitausbildung, z. B. ein Studium, abgeschlossen und nehmen Sie anschließend eine Tätigkeit auf, stellt sich die Frage, ob Sie Ihre Aufwendungen für die zurückliegenden Jahre noch geltend machen können. Haben Sie für zurückliegende Jahre Steuererklärungen abgegeben, können Sie eine Berichtigung Ihres Steuerbescheids meist nur erreichen, wenn der Steuerbescheid insoweit vorläufig ist oder unter dem Vorbehalt der Nachprüfung steht.

Haben Sie für die zurückliegenden Jahre keine Steuererklärungen abgegeben, können Sie für diese Jahre eine Feststellung von Verlusten beantragen. Das heißt, dass Verluste aufgrund von Fortbildungskosten auch dann noch festgestellt werden können, wenn für das Verlustentstehungsjahr keine Einkommensteuer-Veranlagung erfolgt ist (BFH-Urteil vom 13.01.2015, IX R 22/14). Der BFH hat entschieden, dass ein vortragsfähiger Verlust aus vergangenen Jahren gesondert festgestellt werden kann, wenn für das Verlustentstehungsjahr keine Einkommensteuer-Veranlagung durchgeführt wurde und auch wegen inzwischen eingetretener Festsetzungsverjährung aus verfahrensrechtlichen Gründen nicht mehr durchgeführt werden kann.

Beispiel: Sie haben eine berufliche Fortbildung absolviert. Sie reichen erst nach einigen Jahren Einkommensteuererklärungen und Erklärungen zur gesonderten Feststellung des verbleibenden Verlustabzugs beim Finanzamt ein. Sie machen für den Zeitraum der Berufsausbildung Kosten von 7.000 € pro Jahr als vorab entstandene Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit geltend.
Das Finanzamt darf die Verlustfeststellung nicht ablehnen, nur weil wegen Verjährung kein Einkommensteuerbescheid erlassen werden kann. Denn ein Verlustfeststellungsverfahren ist auch dann noch möglich.

Eine Bindungswirkung greift nur ein, wenn eine Einkommensteuer-Veranlagung (ggf. mit einer Festsetzung auf 0 €) durchgeführt worden ist. Es besteht aber keine Bindungswirkung, wenn eine Einkommensteuer-Veranlagung gar nicht stattgefunden hat oder wegen Festsetzungsverjährung wieder aufgehoben wurde. Damit ist der Erlass eines Verlustfeststellungsbescheids weiterhin möglich.

Praxis-Tipp:
Verluste können sich in späteren Jahren auswirken, in denen entsprechende Einkünfte erzielt werden. Das gilt vor allem dann, wenn das BVerfG sich der Auffassung des BFH anschließt und die Abziehbarkeit als Betriebsausgaben oder Werbungskosten auf Erstausbildungskosten ausdehnt. Falls das Finanzamt eine nachträgliche Verlustfeststellung ablehnt, sollten Sie dagegen Einspruch eingelegen. Das Einspruchsverfahren ruht dann bis zur Klärung der Rechtslage in dem Musterverfahren durch das BVerfG (§ 363 Abs. 2 AO).

 

 


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