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Arbeitszimmer

28.06.2018 Von: W. Krudewig

Verkauf einer selbstgenutzten Wohnung mit Arbeitszimmer


Der Gewinn aus dem Verkauf einer Immobilie ist steuerpflichtig, wenn er innerhalb von 10 Jahren nach dem Erwerb erfolgt. Bei selbstgenutztem Wohneigentum ist der Veräußerungsgewinn allerdings steuerfrei, wenn die Immobilie

  • im Zeitraum zwischen Anschaffung oder Fertigstellung und Veräußerung ausschließlich zu eigenen Wohnzwecken oder
  • im Jahr der Veräußerung und in den beiden vorangegangenen Jahren zu eigenen Wohnzwecken

genutzt wurde (§ 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Satz 3 EStG). Das Finanzgericht Köln hat entschieden, dass der Gewinn aus dem Verkauf einer selbstgenutzten Wohnung auch dann in vollem Umfang steuerfrei ist, wenn zuvor Werbungskosten für ein häusliches Arbeitszimmer abgesetzt wurden (Urteil vom 20.3.2018, 8 K 1160/15).
 
Praxis-Beispiel:
Ein Ehepaar wurde zusammen zur Einkommensteuer veranlagt. Der Ehemann ist Lehrer und Ehefrau Journalistin. Beide erzielten im Wesentlichen Einkünfte aus nichtselbständiger Tätigkeit und machten für ein berufliches genutztes Arbeitszimmer in der Wohnung jeweils Werbungkosten in Höhe von 1.250 € geltend. Die Eigentumswohnung hatte eine Wohnfläche von insgesamt 130 qm. Davon entfielen auf das häusliche Arbeitszimmers 25 qm (= 19,23 % der Gesamtwohnfläche). Die Eheleute verkauften die selbstgenutzte Wohnung innerhalb von 10 Jahren nach dem Erwerb. Das Finanzamt unterwarf den auf das Arbeitszimmer entfallenden Veräußerungsgewinn von 35.575 € der Besteuerung, da insoweit keine steuerfreie eigene Wohnnutzung im Sinne von § 23 Absatz 1 Nr. 1 Satz 3 EStG vorliege.

 
Das Finanzgericht Köln vertritt die Auffassung, dass ein häusliches Arbeitszimmer nicht zu einer anteiligen Besteuerung des Veräußerungsgewinns führt. Das Arbeitszimmer sei nämlich in den privaten Wohnbereich integriert und stelle kein selbständiges Wirtschaftsgut dar. Eine Besteuerung stehe außerdem im klaren Widerspruch zu der gesetzlichen Regelung des § 4 Abs. 5 Nr. 6b Satz 1 EStG, die ein generelles Abzugsverbot für Kosten eines häuslichen Arbeitszimmers vorschreibe.
 
Praxis-Tipp
Das Finanzamt hat gegen die Entscheidung des Finanzgerichts Köln Revision eingelegt (Az. beim BFH IX R 11/18). Es ist derzeit völlig offen, wie der BFH entscheiden wird. Es ist aber sinnvoll, in allen Fällen Einspruch einzulegen, in denen das Finanzamt den Veräußerungsgewinn versteuern will, der auf ein häusliches Arbeitszimmer entfällt. Gleichzeitig sollte beantragt werden, das Einspruchsverfahren bis zur Entscheidung des BFH auszusetzen.