Arbeitszimmer

31.01.2013 Von: W. Krudewig

Neues BFH-Urteil zum häuslichen Arbeitszimmer


Sie können Ihre Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer nur dann zu 100% als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abziehen, wenn es den Mittelpunkt Ihrer gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit ausmacht. Ist dies nicht der Fall, ist der Abzug auf 1.250 € im Jahr begrenzt oder entfällt insgesamt. Da der Begriff des häuslichen Arbeitszimmers nicht im Gesetz definiert ist, hat der BFH in zahlreichen Urteilen entschieden, dass ein häusliches Arbeitszimmer ein Raum in der häuslichen Sphäre ist, der vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher oder verwaltungstechnischer Arbeiten dient.

Konsequenz: Handelt es sich bei dem Raum, der sich in Ihrer häuslichen Sphäre befindet, nicht um ein häusliches Arbeitszimmer, können Sie alle Aufwendungen uneingeschränkt als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abziehen. Ein „nichthäusliches Arbeitszimmer“ ist daher immer die bessere Variante.

Praxis-Beispiel:
Ein Musikproduzent nutzt den ausgebauten Souterrainraum seines Wohnhauses als Tonstudio. Bei dem Tonstudio handelt es sich eindeutig nicht um einen Raum, der vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher oder verwaltungstechnischer Arbeiten dient. Der Musikproduzent kann daher die Aufwendungen, die ihm für den ausgebauten Souterrainraum entstanden sind, als Betriebsausgaben abziehen.

In seiner jetzt erst veröffentlichten Entscheidung beurteilt der BFH das Übungszimmer eines Berufsmusikers als häusliches Arbeitszimmer (Urteil vom 10.10.12012, VIII R 44/10). Ein häusliches Arbeitszimmer setzt – so der BFH – nicht zwingend voraus, dass es mit bürotypischen Einrichtungsgegenständen ausgestattet ist und nur für Bürotätigkeiten genutzt wird.

Die Nutzung des Übungszimmers durch einen Berufsmusiker unterscheidet sich nach Auffassung des BFH nicht wesentlich von der büromäßigen Nutzung durch andere Berufe, wie zum Beispiel bei Hochschullehrern, Dozenten oder Rechtsanwälten. Es könne keinen Unterschied machen, ob im Arbeitszimmer das „Aufführen der Musik im Rahmen eines Orchesters“ oder Vorträge, Vorlesungen sowie Schriftsätzen vorbereitet werden.

Auswirkungen des BFH-Urteils: Das BFH-Urteil macht die Abgrenzung schwerer als bisher, weil es nicht mehr allein auf die büromäßige Nutzung ankommt. Ob eine büromäßige Nutzung vorliegt, lässt sich leicht feststellen. Schwierig ist es aber festzustellen, welche Tätigkeiten sich nicht wesentlich von der büromäßigen Nutzung unterscheiden. Von diesem Urteil sind nicht nur Musiker betroffen. Auch andere Berufsgruppen müssen jetzt mit Einschränkungen rechnen.

Praxis-Tipp
Das Übungszimmer eines Musikers ist ein häusliches Arbeitszimmer, ein Tonstudio jedoch nicht. Das heißt, es kommt darauf an, dass der Raum bürountypisch ausgestattet ist, z. B. mit den technischen Geräten (Mischpult, Aufnahmegeräte usw.).

Wichtig
ist also, darauf zu achten, dass der Raum bürountypisch ausgestattet wird. Schreibtisch und Regale, in denen Bücher und Ordner (Noten und Partituren) aufbewahrt werden, sollten Sie in einer Wohnzimmerecke unterbringen. In das Arbeitszimmer gehören dann ausschließlich Werkzeuge, technischen Geräte usw. Nur dann können Sie sicher sein, dass es sich nicht um ein häusliches Arbeitszimmer handelt und Ihre Aufwendungen zu 100% steuerlich abziehbar sind.


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