Arbeitszimmer

30.05.2014 Von: W. Krudewig

Häusliches Arbeitszimmer: nur, wenn kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht


Ihre Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer können insgesamt, teilweise oder überhaupt nicht als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abziehbar sein (§ 4 Abs. 5 Nr. 6 b EStG). Sie können

  • 100% der Aufwendungen abziehen, wenn das häusliche Arbeitszimmer Mittelpunkt Ihrer gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeiten ist,
  • Aufwendungen bis zu 1.250 € im Jahr abziehen, wenn und soweit Ihnen für Ihre Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz als das häusliche Arbeitszimmer zur Verfügung steht,
  • in allen anderen Fällen keine Aufwendungen für Ihr häusliches Arbeitszimmer abziehen.

Es kommt entscheidend darauf an, ob für eine Tätigkeit bzw. für einen Teil einer Tätigkeit ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht (BFH-Urteil vom 26.2.2014, VI R 37/13). Ein anderer Arbeitsplatz, der einen Abzug der Aufwendungen ausschließt, ist grundsätzlich jeder Arbeitsplatz, der zur Erledigung büromäßiger Arbeiten geeignet ist. Es gibt keine besonderen Anforderungen daran, wie der Arbeitsplatz beschaffen sein muss.

Allerdings steht ein anderer Arbeitsplatz nur dann zur Verfügung, wenn er auch tatsächlich für büromäßige Arbeiten genutzt werden kann. Kann die Tätigkeit am Arbeitsplatz (z. B. am Sitz des Arbeitgebers) ausgeübt werden, steht ein anderer Arbeitsplatz als das Arbeitszimmer zur Verfügung, sodass Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer nicht abziehbar sind (BFH-Urteil vom 26.2.2014, VI R 40/12).

Praxis-Beispiel (1):
Der Kläger, ein Großbetriebsprüfer eines Finanzamtes, hatte an seiner Dienststelle keinen festen Arbeitsplatz. Vielmehr musste er sich für die vor- und nachbereitenden Arbeiten mit weiteren sieben Großbetriebsprüfern drei Arbeitsplätze (sog. Poolarbeitsplätze) teilen. Konsequenz ist, dass die Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer bis zur Höchstgrenze von 1.250 € im Jahr abzugsfähig sind, da mit dem Poolarbeitsplatz an seiner Dienststelle nicht sichergestellt war, dass er dort seine berufliche Tätigkeit in dem konkret erforderlichen Umfang erledigen konnte.

Praxis-Beispiel (2):
Der Kläger hatte mit seinem Arbeitgeber eine Vereinbarung getroffen, dass er an bestimmten Wochentagen (Montag und Freitag) seine Arbeitsleistung in seinem häuslichen Arbeitszimmer (einem sog. Telearbeitsplatz) erledigen konnte. Dem Kläger stand somit ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung, den er auch am Montag und Freitag hätte nutzen können. Somit war es nicht erforderlich, das häusliche Arbeitszimmer zu nutzen. Konsequenz ist, dass die Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer insgesamt nicht abzugsfähig sind, weil ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung stand.

Praxis-Tipp
Es kommt entscheidend darauf an, ob Ihnen für Ihre Tätigkeit bzw. für einen Teil Ihrer Tätigkeit ein anderer Arbeitsplatz als das häusliche Arbeitszimmer zur Verfügung steht. Die beiden BFH-Urteile machen deutlich, wo die Grenzlinien zu ziehen sind. Stellt z. B. der Arbeitgeber eine ausreichende Anzahl an Poolarbeitsplätzen, ggf. kombiniert mit einer dienstliche Nutzungseinteilung, zur Verfügung, steht ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung, sodass kein häusliches Arbeitszimmer erforderlich ist. Konsequenz ist, dass jeder Fall individuell geprüft werden muss.


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