Arbeitszimmer

06.02.2014 Von: W. Krudewig

Häusliches Arbeitszimmer: können die Kosten aufgeteilt werden?


Nutzten Sie ein häusliches Arbeitszimmer für private und berufliche Zwecke, dürfen Sie die Aufwendungen insoweit abziehen, als das Arbeitszimmer büromäßig eingerichtet und eine Aufteilung zumindest im Schätzungswege möglich ist (Urteil des Niedersächsisches Finanzgericht vom 24.04.2012 (8 K 254/11). Das Finanzamt hat gegen dieses Urteil Revision eingelegt. Der zuständige Senat beim BFH möchte dem Finanzgericht folgen und eine Aufteilung zulassen. Da es aber anders lautende BFH-Urteile gibt, muss jetzt der Große Senat des BFH für eine endgültige Klärung sorgen (BFH-Beschluss vom 21.11.2013, IX R 23/12).

Praxis-Beispiel:
Der Kläger nutzte ein häusliches Arbeitszimmer für die Verwaltung seiner Mietobjekte. Er hat die beruflichen und privaten Nutzungszeiten in nachvollziehbarer Form festgehalten. Hiernach entfielen 60% auf die berufliche Nutzung. Er machte daher die Aufwendungen geltend, die durch Vermietungstätigkeit veranlasst waren (d.h. zu 60 %).

Ergebnis: Der 9. Senat des BFH will diese Aufteilung zulassen, macht seine Entscheidung aber vom Großen Senat abhängig.

Der Große Senat des BFH hatte in seiner Entscheidung vom 21.9.2009 das Aufteilungs- und Abzugsverbot für gemischte Aufwendungen aufgegeben. Wenn man diesen Vorgaben folgt, entfällt auch die Rechtfertigung, die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer nur dann als Betriebsausgaben anzuerkennen, wenn dieses Zimmer nahezu ausschließlich betrieblich genutzt wird.

Wenn ein Raum in der Wohnung betrieblich und privat genutzt wird und die Aufwendungen aufgeteilt werden können, sind viele BFH-Urteile überholt, wie z. B. die folgenden BFH-Urteile vom

  • 6.12.1991, VI R 101/87, wonach die Abgrenzung zum Wohnzimmer mit einem Raumteiler nicht ausreicht,
  • 6.2.1992, IV R 85/90, wonach die Abtrennung von anderen Wohnräumen durch Regale, Vorhänge oder Lamellenvorhänge nicht ausreicht,
  • 26.5.1992, IV B 96/91, wonach bei einer offenen Galerie oder Empore keine ausreichende Trennung vom Wohnbereich vorliegt,
  • 22.10.1993, IX R 137/92, wonach der Zugang über eine offene Wendeltreppe nicht als Trennung ausreicht,
  • 19.5.1995, Az. VI R 3/95, wonach das Arbeitszimmer nicht zum Hausflur hin offen sein darf.

Praxis-Tipp:
Zunächst müssen Sie feststellen, ob Sie Aufwendungen für ein Arbeitszimmer überhaupt geltend machen können (§ 4 Abs. 5 Nr. 6 b EStG). Ist das der Fall, dann sollten Sie die betrieblich veranlassten Aufwendungen abziehen. Erkennt das Finanzamt den Abzug nicht an, legen Sie unter Hinweis auf den BFH-Beschluss 21.11.2013 (IX R 23/12) Einspruch ein. Gleichzeitig sollten Sie beantragen, das Einspruchsverfahren auszusetzen, bis die endgültige Entscheidung durch den Großen Senat des BFH vorliegt.

 

 


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