Arbeitszimmer

27.02.2015 Von: W. Krudewig

Häusliches Arbeitszimmer für die Nebentätigkeit eines Rentners voll abziehbar


Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer können Sie zu

  • 100% abziehen, wenn das häusliche Arbeitszimmer Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeiten ist oder
  • bis zu 1.250 € im Jahr, wenn und soweit für die Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz als das häusliche Arbeitszimmer zur Verfügung steht.

Praxis-Beispiel:
Ein Pensionär (Rentner) im Ruhestand übte in seinem häuslichen Arbeitszimmer eine selbstständige Gutachtertätigkeit aus. Der Pensionär machte die Kosten von 2.242 €, die auf das Arbeitszimmer entfallen sind, als Betriebsausgaben geltend. Das Finanzamt erkannte nur 1.250 € an, weil das Arbeitszimmer wegen der Versorgungsbezüge nicht der Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit gewesen sei. Dem widersprach der BFH und ließ die tatsächliche entstanden Kosten von 2.242 € zum Abzug zu.

Nach dem BFH-Urteil vom 11.11.2014 (VIII R 3/12) sind bei der Beurteilung, ob das Arbeitszimmer der Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeiten ist, nur die Einkünfte einzubeziehen, die eine aktive Tätigkeit erfordern. Bei Versorgungsbezügen ist dies nicht der Fall. Das heißt, Versorgungsbezüge sind bei der Beurteilung nicht einzubeziehen. Übt also ein Pensionär bzw. Rentner eine selbstständige Gutachtertätigkeit aus, dann ist bei der Nutzung des häuslichen Arbeitszimmers nur hierauf abzustellen, sodass die Kosten voll abziehbar sind.

Im Urteilsfall wurde ein Kellerraum als häusliches Arbeitszimmer genutzt, sodass sich die Frage stellte, wie die Kosten zu ermitteln sind, die auf die betrieblich genutzten Räume entfallen. Unbestritten ist, dass die Gesamtkosten nach dem Verhältnis der Fläche des Arbeitszimmers zur Gesamtfläche der Wohnung bzw. des Hauses aufzuteilen sind. Dabei ist nach dem BFH-Urteil vom 11.11.2014 wie folgt vorzugehen.

Baut der Unternehmer/Freiberufler einen Kellerraum zum Arbeitszimmer aus, dann sind die ausgebauten Flächen der bisher vorhandenen Wohnfläche hinzuzurechnen. Damit vergrößert sich die Gesamtwohnfläche, sodass sich dadurch ein veränderter Aufteilungsmaßstab ergibt. Zubehörräume sind bei der Wohnfläche nicht einzubeziehen, wie z. B. Kellerräume, Abstellräume außerhalb der Wohnung, Waschküchen, Dachböden, Trockenräume, Heizungsräume und Garagen.

Praxis-Beispiel:
Ein Freiberufler baut einen Kellerraum (Deckenhöhe 2,20 m) aus, um dort seine freiberufliche Tätigkeit ausüben zu können. Die bisherige Gesamtwohnfläche des Hauses beträgt 130 m² und die Fläche des neu ausgebauten Kellerraums 18 m². Der betrieblich genutzte Anteil beträgt somit 12,16% (130 m² + 18 m² = 148 m²/ 18 x 100 : 148).

Die Wohnflächen sind nach der Wohnflächenverordnung (WoFlV) zu ermitteln. Danach sind die Grundflächen eines Hauses bzw. einer Wohnung mit einer Höhe

  • von mindestens 2 Metern mit 100%,
  • von mindestens 1 und weniger als 2 Metern zur Hälfte (50%) und
  • von unter 1 Meter überhaupt nicht anzusetzen.

Wichtig! Jede Erweiterung einer Wohnung oder eines Hauses wirkt sich auf den Aufteilungsmaßstab aus. Das Verhältnis zwischen Wohnfläche und betrieblich bzw. beruflich genutzter Fläche verändert sich auch dann, wenn Wohnräume aus- oder angebaut werden.


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