Abschreibung / Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG)

18.02.2016 Von: W. Krudewig

Computer sofort als geringwertiges Wirtschaftsgut abschreiben


Sie können Ihren Computer nur dann als geringwertiges Wirtschaftsgut behandeln, wenn er selbstständig nutzbar ist. Das ist regelmäßig nur bei einem Display-PC, Notebook, Netbook oder Tablet der Fall. Eine Sofortabschreibung zu 100% im Jahr der Anschaffung kommt nur in Frage, wenn die Anschaffungskosten entweder

  • nicht mehr als 150 € netto ohne Umsatzsteuer betragen (Computer und andere Wirtschaftsgüter mit Anschaffungs- oder Herstellungskosten von mehr als 150 € und nicht mehr als 1.000 € müssen dann in einen Sammelposten eingestellt werden), oder
  • nicht mehr als 410 € netto ohne Umsatzsteuer betragen (bei dieser Variante darf kein Sammelposten – auch nicht für andere Wirtschaftsgüter – gebildet werden).

Die Nettoanschaffungskosten für einen Display-PC oder für ein Notebook liegen regelmäßig über 150 €, sodass eine Sofortabschreibung ohnehin nur bei der Variante mit dem Grenzwert von 410 € in Frage kommen kann. Alternativ können Sie diese geringwertigen Wirtschaftsgüter auch über ihre betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abschreiben. Dieses Wahlrecht dürfen Sie bei der 410 €-Variante für jedes einzelne Wirtschaftsgut individuell in Anspruch nehmen.

Um einen Computer überhaupt nutzen zu können, benötigen Sie zumindest einen Tower (Zentraleinheit), einen Monitor, eine Tastatur und eine Maus. Keiner dieser Bestandteile ist für sich selbstständig nutzbar. Es stellt sich daher die Frage, ob alle diese Teile zu einem selbstständigen Wirtschaftsgut „Computeranlage“ zusammengefasst werden können.

Würden Tower (Zentraleinheit), Monitor, Tastatur und Maus als ein einheitliches Wirtschaftsgut „Computeranlage“ zusammenfasst, müsste z. B. der Neukauf eines PC-Monitors als Erhaltungsaufwand gebucht werden können. Aber gerade dies lehnt der BFH in seinem Urteil vom 15.07.2010 (III R 70/08) ab. Mehrere Gegenstände können nur dann zu einem einheitlichen Wirtschaftsgut zusammengefasst werden, wenn die einzelnen Teile nach der Verbindung ihre Eigenständigkeit verlieren würden. Das ist gerade bei einem Computer nicht der Fall, auch wenn er zusammen mit Peripheriegeräten gekauft wird. Ein Monitor und ein Drucker sind zwar nicht selbstständig nutzbar, verlieren aber nicht ihre Eigenständigkeit, sodass sie nicht als Bestandteil eines Wirtschaftsguts „Computeranlage“ behandelt werden können.

Praxis-Tipp:
Bei Computern wirkt sich die Einstellung in den Sammelposten regelmäßig negativ aus, weil sich die Abschreibung von 3 auf 5 Jahre verlängert. Außerdem ist es bei einer Einstellung in den Sammelposten nicht möglich, die 20%ige Sonderabschreibung in Anspruch zu nehmen. Wer einen Display-PC oder ein Notebook erwirbt, bei denen die Nettoanschaffungskosten 1.000 € nicht übersteigen, der sollte dann die Variante mit dem Sammelposten möglichst nicht wählen.

 

 


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